P1 Fallstudie — der schriftliche Block der HFP Naturheilpraktiker
Die P1 Fallstudie ist der schriftliche Prüfungsteil der HFP Naturheilpraktiker. Du dokumentierst einen realen Patientenfall, den du mindestens 6 Monate begleitet hast, und reichst eine umfassende Arbeit von maximal 50 Seiten ein. Dieser Leitfaden fasst alle offiziellen Anforderungen zusammen — direkt aus der Prüfungsordnung Art. 5.11 und der Wegleitung §5.3 vom 15.10.2021.
1. Format und Umfang
- Form: schriftliche Dokumentation, vorgängig erstellt vor dem Prüfungstermin
- Umfang: maximal 50 Seiten
- Spezialfall TCM mit 2 Schwerpunkten: max. 55 Seiten (Wegleitung §5.1, Fussnote)
- Patientenbeobachtung: Behandlungs- oder Betreuungsprozesse während mindestens 6 Monaten
- Patientencharakter: chronisch oder wiederkehrend
- Hilfsmittel: alle erlaubt (du hast Zeit, du erstellst die Arbeit vorgängig zuhause)
- Formelle Details: gemäss aktuellem Leitfaden P1 auf oda-am.ch (Schriftart, Schriftgrösse, Zeilenabstand, Ränder, etc.)
Quelle: Prüfungsordnung HFP NHP, Art. 5.11. Wegleitung §5.3 (Stand 15.10.2021).
2. Die 10 inhaltlichen Pflichtaspekte
Die Fallstudie muss zwingend die folgenden Aspekte enthalten (Wegleitung §5.3, «Inhaltliche Anforderungen»):
- Patientenfall mit Behandlungs- oder Betreuungsprozessen bei einer Krankheit mit chronisch- oder wiederkehrendem Charakter — beginnend mit der ersten Kontaktnahme sowie der Erst- und Folgeanamnesen.
- Relevante Überlegungen, Problemstellungen, Erkrankungs- und Gesundungsprozesse, Abläufe und Therapieplanung.
- Überlegungen und Handlungen, welche die Nachhaltigkeit der erfolgten Behandlungen gewährleisteten und die entsprechende langfristige Verlaufsbeobachtung sicherstellten.
- Stärkung der Patientenressourcen und Förderung der Gesundheitskompetenzen.
- Fach(richtungs)spezifisches Denken, Handeln und Zielsetzen gemäss Berufsbild deiner Fachrichtung.
- Nachvollziehbarkeit der Hypothesen und Entscheidungen.
- Interprofessionalität: Darstellung des beruflichen Beziehungsnetzes, welches (evtl.) zur (Mit-)Betreuung diente, gemäss Kompetenzen B2 und F2 des Berufsbildes.
- Persönliche Prozesse als Therapeut: eigene Lern- und Praxiserfahrungen, Reflexions- und Beziehungsprozesse (Metasicht).
- Supervisionen oder Mentoring: Berücksichtigung und Darstellung der Begleitung während der Arbeit.
- Zugezogene Literatur, Materialien und sonstige Quellen.
3. Abgabefrist — der härteste Termin der ganzen HFP
Die Fallstudie muss spätestens 4 Monate vor dem Prüfungstermin eingereicht werden (Wegleitung §5.3, «Abgabe»). Eine verspätete Abgabe = automatischer Nichtbestand des Prüfungsteils P1 (Prüfungsordnung Art. 6.42).
| Prüfungssession | Abgabefrist Fallstudie (Datum Poststempel) |
|---|---|
| April 2026 (24.-28.04.2026) | 24. November 2025 |
| Juni 2026 (24.-26.06.2026, TCM+TEN) | 16. März 2026 |
| Oktober 2026 (28.10.-01.11.2026) | 19. Mai 2026 |
| April 2027 (24.-28.04.2027) | 23. November 2026 |
| Juni 2027 (25.-27.06.2027, TCM+TEN) | 8. März 2027 |
| Oktober 2027 (30.10.-03.11.2027) | 19. Mai 2027 |
Quelle: Ausschreibungen OdA AM 2026-2027.
4. Bewertung und Bewertungsaspekte
Die Fallstudie wird von zwei Experten der Qualitätssicherungskommission (QSK) bewertet (Wegleitung §5.3, «Bewertung»). Die Bewertung erfolgt mit dem Urteilsprädikat «bestanden» oder «nicht bestanden».
Die Bewertungsaspekte gemäss Wegleitung §5.3 sind:
- Form und Darstellung: formelle Richtlinien beachtet, leserfreundliche Darstellung, prägnante Zusammenfassung (Abstract).
- Inhaltliche Struktur: Fakten und Prozesse klar strukturiert, präzise, logisch zusammenhängend, nachvollziehbar. Aufbau und Umfang gemäss Anforderungen.
- Konzeptionelles und analytisches Denken: Sachverhalte als Ganzes erfasst, einzelne Aspekte logisch verknüpft, Zusammenhänge aufgezeigt. Fragestellungen, Analysen und Zielsetzungen zusammenhängend und sinnstiftend.
- Systemisches, vernetztes Denken: Bezug auf fachrichtungsbezogene Prinzipien, Theorien und Modelle.
- Rollenwahrnehmung und Werthaltungen: Bewusstsein der Funktion als Erstanlaufstelle, eigene Rolle und Verantwortlichkeiten, ethische Grundsätze.
5. Erstanlaufstelle — die zentrale Rolle
Eine wichtige Verfeinerung wurde am 15.10.2021 in die Wegleitung aufgenommen: die Präzisierung zur «Erstanlaufstelle» (Wegleitung §5.3 Bewertungsaspekt «Rollenwahrnehmung»). Was bedeutet das konkret?
Als Naturheilpraktiker bist du oft der erste Gesundheitsprofi, an den sich ein Patient wendet. Das verleiht dir besondere Verantwortung: du musst Red Flags erkennen, wissen, wann du an einen Arzt oder Notdienst delegieren musst, und die Grenzen deines Fachbereichs klar respektieren. Die Fallstudie muss zeigen, dass du diese Rolle bewusst trägst und konkret in der Patientenbetreuung umsetzt.
6. Anonymisierung und Patientenkonsens
Der Patient, den du dokumentierst, muss vollständig anonymisiert werden: keine Namen, keine genauen Geburtsdaten, keine Adressen, keine Fotos, die eine Identifikation ermöglichen würden. Du benötigst auch das schriftliche Einverständnis des Patienten zur Verwendung seines Falls für die HFP. Eine Vorlage für die Einverständniserklärung ist im Leitfaden P1 verfügbar.
7. Wie du deine Fallstudie strukturiert aufbaust
Die offizielle Struktur ist nicht starr im Wegleitung definiert (Details siehe Leitfaden P1), aber eine bewährte Gliederung umfasst:
- Abstract / Zusammenfassung (1 Seite) — Patient, Hauptproblem, Therapieansatz, Resultate.
- Einleitung — Motivation für die Wahl dieses Falles.
- Erstanamnese und Befunde — strukturierte Dokumentation der ersten Konsultation.
- Fachrichtungsspezifisches Denken und Hypothesen — wie du den Fall im Rahmen deiner Fachrichtung interpretierst.
- Therapieplanung und Behandlungen — Verlauf über die 6+ Monate.
- Folgeanamnesen und Verlaufsbeobachtung.
- Stärkung der Patientenressourcen und Gesundheitskompetenz.
- Interprofessionelles Netzwerk — wer war involviert, wie wurde koordiniert.
- Reflexion als Therapeut (Metasicht).
- Supervisionen / Mentoring.
- Schlussfolgerung und Ausblick.
- Literaturverzeichnis und Anhänge (Einverständniserklärung anonymisiert, Befunde, etc.).
8. Die 7 häufigsten Fehler bei P1
- Patient zu früh ausgewählt: du brauchst mindestens 6 Monate Behandlungsbeobachtung. Wenn du erst 3 Monate vor Abgabefrist anfängst, ist die Frist nicht einhaltbar.
- Pflichtaspekte implizit statt explizit: die Experten suchen die 10 Aspekte aus der Wegleitung. Wenn du sie nicht klar abgrenzst (z.B. mit Überschriften), gehen sie verloren.
- Reflexionsteil zu dünn: die «persönlichen Prozesse als Therapeut» machen einen signifikanten Bewertungsanteil aus, werden aber oft auf 1-2 Absätze reduziert. Plane 3-5 Seiten dafür ein.
- Interprofessionalität fehlt: kein Hinweis auf Hausarzt, Spezialisten, andere Therapeuten. Auch wenn niemand involviert war, musst du das thematisieren (z.B. «keine Co-Betreuung notwendig, weil ...»).
- Verlaufsbeobachtung als Liste statt narrativ: chronologische Auflistungen ohne Verknüpfung lesen sich wie ein Logbuch. Erzähle, wie sich der Patient entwickelt hat.
- Literaturverzeichnis fehlt oder zu dünn: zeige, dass du fachrichtungsspezifische Quellen kennst und kritisch zitierst.
- Letzte-Woche-Stress vor Abgabefrist: Korrekturlesen durch eine externe Person, Anhänge prüfen, Druck und Versand brauchen 1-2 Wochen.
9. Voraussetzungen, die P1 mit P2 und P4 verbinden
Die Fallstudie ist nicht nur für sich allein wichtig — sie ist die Grundlage von P2: das Fachgespräch dreht sich ausschliesslich um die Inhalte deiner Fallstudie. Wenn die Fallstudie schwach oder unstrukturiert ist, kannst du im P2 nicht mit Substanz argumentieren. Daher zahlt sich jede Stunde, die du in eine solide Fallstudie investierst, doppelt aus.
Mehr zu P2 → P2 Fachgespräch im Detail.
11. Deine Vorbereitungs-Checkliste P1
Diese Checkliste fasst die wichtigsten Pflichtschritte zusammen. Hake ab, was du erledigt hast — der Stand wird lokal auf deinem Gerät gespeichert.
Strukturierte M1-Vorbereitung als Grundlage
Solides M1-Wissen ist die Voraussetzung, um in deiner Fallstudie fundiert klinisch zu argumentieren. HFP Coach gibt dir 1'225 Karteikarten (SM-2), 350 QCM und 20 OSKE-Stationen — kostenlos starten.
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